Meine Zeit bei Dancing Stars

Photografie: ORF

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Das große Finale von Dancing Stars liegt nun hinter mir. Wirklich hinter mir liegt es noch nicht, es ist immer noch so sehr präsent. Nach wie vor habe ich all die Bilder und Gefühle in mir, die in den letzten Momenten eines unglaublichen Projektes entstanden sind.

Drei Monate bin ich in eine komplett andere Welt getaucht. Ich fühlte zurückkatapultiert in meine Teenagerzeit von meinem 13.-15. Lebensjahr, als ich fast jeden Tag in der Tanzschule verbracht habe. Manchmal höre ich Personen erzählen, sie seien in ihrer Kindheit von den Eltern zur Tanzschule verdonnert worden und kann es gar nicht verstehen. Meine Tanzschulzeit in meiner Kindheit war einer meiner schönsten Lebensabschnitte in meinem Leben.

So auch mit Dancing Stars. Die Möglichkeit zu haben, den ganzen Tag zu tanzen war einfach ein Traum, der niemals aufhören sollte. Im Sport wird oft das Wort Disziplin verwendet, aber ich benutze dieses Wort nicht gerne, da es „etwas tun müssen“ assoziert. Wenn ich aber brenne für etwas, dann geht es um „etwas tun wollen“. Ich bin in diese Welt eingetaucht und wollte alles aufsaugen, habe mir Video von tollen Profitänzern gesehen, Infos gesammelt oder zur Motivation Tanzfilme geschaut. Glaub Boxen und Tanzen sind die meistverfilmten Sportarten und das liegt meiner Meinung nach daran, dass dies einfach magische Sportarten sind. Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich mich nicht auf das Tanztraining gefreut habe!

Tanzen hat mich glücklich gemacht

Bereits vor Dancing Stars habe ich sehr oft gesagt: Tanzen macht gute Laune. Man kann von der Tanzfläche nur mit einem Lächeln kommen! Karina Sarkissova meinte, ich hätte mich während meiner Dancing Stars Zeit positiv verändert und das ist sehr gut möglich. Alles, was wir machen, hat eine bestimmte Energie und Wirkung auf den Körper und Geist. Boxen als Wettkampfsport ist ein sehr harter Sport. Ich trainiere sehr viel für meinen Sport, weil ich meinen Sport so liebe. Dennoch war es mir immer wichtig, einen Ausgleich für den Körper und Geist zu haben und habe dies immer in Yoga und Zen gesucht. Yoga und Zen haben mir immer geholfen loszulassen und im Moment zu sein. Aber im Tanzen habe ich dies nochmal auf einer anderen Ebene gelernt. Ein Freund von meiner Zen-Sangha hat mir eine Whatsapp-Sprachnachricht geschickt. Er hat gesagt, er hat mich gerade in Dancing Stars gesehen und hat gesehen, dass es mir gut tut und dass das Tanzen so einen tollen Effekt auf mich hat. „Ich habe Dich noch nie so weich und so sanft gesehen. Es war wunderschön und ich möchte Dir dazu gratulieren. Ich denke, dass diese Zeit beim Tanzen in Dir sehr viel bewegt hat es war toll Dich so zu sehen.“

Tanzen hat mich mental gestärkt

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Tanzen als Tuniersport oder Showtanz bedeutet, das man zunächst die Schritte und Choreografie lernt und dann am Ausdruck (Gesicht) arbeitet. Wenn man allerdings immer nur wenige Tage Zeit hat, um einen oder gar mehrere Tänze zu lernen, dann muss man schauen, dass man dies schon vorher hinbekommt. Oft hatte ich das Gefühl, ich brauche erst die Sicherheit, dass ich es kann, bevor ich mit Selbstvertrauen im Körper und Gesicht tanze. Dimitar sagte mir allerdings, dass ich immer viel besser tanze, wenn ich das Selbstvertrauen und Optimismus habe, bevor ich den ersten Schritt tanze.

Im Boxen habe ich diese Lektion schon lange gelernt. Man kann in den Ring steigen, glauben man gewinnt und dann verliert man überraschenderweise. Man kann aber nie in den Ring steigen, glauben man verliert und man gewinnt überraschenderweise.

Erst kommt das Selbstvertrauen und der Optimismus, dann resultiert daraus, dass man seine Sache gut macht und nicht umgekehrt. Ich bin Dancing Stars dankbar, dass ich dies nochmal von einer anderen Seite gelernt habe, denn dies ist eine sehr wichtige Lektion im Leben.

Was war mein Lieblingstanz?

Bevor Dancing Stars begonnen hat, habe ich mich sehr auf die Latein-Tänze gefreut, da ich diese auch immer gern in der Tanzschule getanzt habe. Jive war immer mein Lieblingstanz und ein Tanz, den ich auch gerne getanzt habe, wenn ich auf einer Party oder Eden Bar ein Jive-Lied gehört habe. Sobald ein Jive-Lied kam, haben alle Körperzellen in mir geschrien, dass ich auf die Tanzfläche muss! Sehr liebgewonnen habe ich auch Rumba, ein Tanz mit einer komplett anderen Energie. Obgleich ich die Latein-Tänze so liebe, so habe ich festgestellt, dass sie komplexer sind als ursprünglich angenommen, da unterschiedliche Arme / Hände und Gesichtsausdrücke Teil des Tanzes sind. Die guten Punkte haben die meisten Teilnehmer daher meist bei den Standard- und nicht Lateintänzen bekommen

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Den Wert von Standard-Tänzen habe ich total unterschätzt! Quickstep hat auch so eine fröhliche Energie, Tango ist so ein toller dramatischer Tanz und Wiener Walzer ist so elegant! Slowfox habe ich sehr gemocht, weil die Hebungen und Senkungen in diesem Tanz so eine ganz tolle Bewegungserfahrung waren. Slowfox war auch einer der Tänze mit dem besten Feedback von Euch und auch der Jury. Gerne hätte ich auch den Langsamen Walzer getanzt, der ebenfalls diese Hebungen und Senkungen wie der Slowfox hat. Es war der einzige Tanz der 10 Tuniertänze, den wir nicht getanzt haben. Nach der 7. Show war Samba und langsamer Walzer offen und wir haben Samba bekommen. Samba ist ein toller Tanz, für den ich gerne mehr Zeit gehabt hätte, da wir in der letzten Woche ja 3 Tänze lernen mussten. Aber es gibt ja auch noch eine Zeit nach Dancing Stars :-)

Der Street Dance und Contempory Dance hat der Staffel eine besondere Note gegeben. Der Street Dance hat für eine tolle Abwechslung und viel Spass im Training gesorgt, während der Contemporary Dance eine tolle Erfahrung des Körpers und Energie-Flusses in Verbindung mit Musik und Tanzpartner war.

Tanzen hat mir mehr Körperbewusstsein gegeben

Tanzen ist für mich koordinativ einer der anspruchsvollsten Sportarten. Eine gute Koordination ist die beste Basis für ein gutes Körperbewusstsein und für das Erlernen neuer Bewegungen. Tanzen wäre eigentlich ein perfekter Sport für Kinder! Schade, dass Tanzen nicht Teil des Schulsport ist! Wäre doch eine Idee oder? Bringt ein tolles Körperbewusstsein, Spass und Selbstvertrauen - was wünscht man Kindern mehr? In Österreich kann man auch stolz sein, dass der Wiener Walzer- einer der 10 Tänze des Tuniertanzes- hier seinen Ursprung hat. Wäre es nicht toll, wenn jedes Kind den Wiener Walzer in der Schule lernen würde?

Und spätestens Silvester gäbe es die Gelegenheit ihn immer zu praktizieren (Anmerkung für meine deutschen Freunde: In Österreich gibt es die ganz tolle Tradition an Silvester Wiener Walzer zu tanzen).

Meine Trainer haben positive Effekte des Tanzens auf meinen Körper beobachtet und mich ermutigt weitezutanzen, da das Tanzen mich in meinem Kampfsport unterstützt.

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Meine Tanzpläne nach Dancing Stars

Ich habe immer gerne getanzt, mir aber leider oft nicht die Zeit genommen. Immer wieder dachte ich daran mal wieder einen Salsa-Kurs oder Lindy Hop Kurs zu besuchen, aber ein vollgepackter Tag hat mich immer daran gehindert. Zeit ist allerdings immer einer Frage der Prioritäten. Dancing Stars hat eine alte Leidenschaft wieder hochgebracht und ich kann mir ein Leben ohne Tanzen nicht mehr vorstellen. Gründe genug gibt es auch dafür und ich weiss, dass mir das Tanzen auch sehr viel für Kampfsport bringt und zwar sowohl für den Körper als auch den Geist.

Mit 15 Jahren wollte ich Tuniertänzerin werden, was damals allerdings leider nicht geklappt hat. Nun habe ich erfahren, dass dies ein Sport ist, den man sogar mit 50 Jahren noch anfangen kann, da der Sport in verschiedene Altersklassen bis hin zu 65+ eingeteilt ist. Helmut Vogl, der Chef von Lauretana für Deutschland, Österreich und Schweiz, hat zum Beispiel diesen Sport mit 50 Jahren begonnen. Er ist jetzt 60 Jahre, trainiert regelmässig und nimmt an Tunieren teil.

Es ist also nie zu spät!!

Ich möchte unbedingt weitertanzen und ich denke, dass ich auch mal Tuniere tanzen werde. Wenn man mich fragt WANN, so kann ich darauf jetzt keine Antwort geben. Ich bin mit Leib und Seele Kampfsportlerin und möchte noch viele Jahre kämpfen. Ausserdem kann man so etwas nicht planen. Der Schritt vom Hobbysport in den Leistungssport ist nie etwas, was man plant, sondern ein dringender Wunsch und Bedürfnis von innen. Wenn dieser Wunsch nicht ganz groß hochkommt, dann sollte man den Weg auch nicht gehen. Ich habe das Boxen als Leistungssport nie geplant, sondern der Wunsch ist in mir hochgekommen mit so einer großen Kraft, dass ich dies unbedingt machen musste.

Aber ob Tuniertanz oder nicht- Tanzen hat so eine positive Energie, dass ich mir ein Leben ohne Tanzen nicht mehr vorstellen kann!

Danke!

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Ein Grund dafür, dass ich die letzten 3 Monate so eine tolle Zeit hatte, war allerdings nicht nur das Tanzen, sondern auch mein Tanzpartner und -trainer Dimitar Stefanin. Mein Spitzname für ihn war „Sonnenschein“ weil er einfach die Sonne im Herzen hat. Dank ihm war jeder Tag während Dancing Stars ein wunderschöner Tag. Er hat das Beste aus mir in kurzer Zeit herausgeholt und hat dafür gesorgt, dass ich nicht nur tänzerisch, sondern auch mental sehr gut drauf war. Es verging kaum ein Tag, an dem wir nicht gelacht haben. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich immer so kaputt gelacht habe, wenn wir Paso Doble getanzt haben. Er hatte so eine Art „Paso Doble Gesicht“, ein furchtbar ernster Gesichtsausdruck, der eigentlich gar nicht zu ihm passte, und ich immer losprusten musste, wenn er dieses Gesicht aufsetze. Bis zur Generalprobe hatte ich Mühe nicht laut zu lachen, wenn es losging. Beim Jive war es der sogenannte Schuhputzer-Move, der mich jedes Mal zum Lachen brachte. So hatte fast jeder Tanz eine Stelle, die mich aus der Fassung gebracht hat. Ich habe mich dann immer entschuldigt, wenn meine Konzentration dann an dieser Stelle dahin war und seine Antwort war „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag“.

Dimitar ist menschlich eine Person wie ich nur wenige Personen kenne und ich bin Dancing Stars dankbar, dass ich solch einen tollen Menschen kennenlernen durfte. Sollte er als Profi wieder dabei sein, dann werde ich an der Tanzfläche sitzen und ganz laut für ihn und seine Tanzpartnerin schreien!!

Bei Dancing Stars mitzumachen ist etwas ganz Besonderes. Es war ein wahnsinnig toller Lebensabschnitt und ich bin einfach dankbar für diese tolle Erfahrung! Ich möchte dem ORF für diese tolle Erfahrung danken!!

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle auch an die vielen Personen, die an diesem Projekt beteiligt waren wie z.B. die Inspizienten, die versucht haben unseren Alltag so leicht wie möglich zu machen; Ramesh Nair, der uns immer ein tolles Feedback gegeben hat, weil er wollte, dass jedes Paar das Beste aus sich herausholt. Danke an die Maske Helga Stepke, die mir immer so solle Frisuren und Make-up gezaubert hat und mich jeden Freitag so toll verwandelt hat!! Danke an das Kostüm- Team insbesondere Stefanie Hofer und Claudia, die unseren Tänzen immer eine tolle Optik gegeben haben! Danke an das Kamera-Team, die uns immer beim Training gefilmt haben (daraus sind immer die Videos vor dem Tanz entstanden) und die immer eine positive Stimmung verbreitet haben! Danke an die Jury für das fachliche Feedback und motivierende Worte, habe versucht es umzusetzen soweit es ging :-) Ich werde die letzten Worte der Jury, die gleichzeitig der Abschied waren, nicht vergessen.

Photografie: A. Breinl (Moulin Rouge Showteam: Dimitar Stefanin, Helene Exel, Elisabeth Sperr, Sascha Gent, Rene Friesacher und Nicole Wesner)

Photografie: A. Breinl (Moulin Rouge Showteam: Dimitar Stefanin, Helene Exel, Elisabeth Sperr, Sascha Gent, Rene Friesacher und Nicole Wesner)

Danke an die Pressestelle und alle Medien, die dafür gesorgt haben, dass Dancing Stars jeden Freitag einen Marktanteil von ca. 30% beschert haben. Dancing Stars ist ein tolles Projekt, aber es ist nur dann erfolgreich, wenn die Öffentlichkeit auch davon erfährt.

Danke an die Band, die immer so eine tolle Stimmung in den Ballroom gezaubert hat!! Diese tolle Atmosphäre hat immer sehr geholfen, Spass auf der Tanzfläche zu haben! Danke an die Produktion, die dafür gesorgt haben, dass Dancing Stars mit diesem tollen Glanz wahrgenommen wird! Danke auch an alle Personen, die ich jetzt vielleicht vergesse aufzuzählen, weil Dancing Stars so ein Riesen-Projekt ist, dass man da leicht mal jemand vergisst!! Danke an unser Show-Tanzteam Helene Excel, Elisabeth Sperr, Sascha Gent und Rene Friesacher. Ihr seid alle nicht nur tolle Tänzer, sondern habt unseren allerletzten Tanz auf der Fläche auch emotional zu etwas Besonderem gemacht!

Meine letzten Worte gelten den Personen, die das Ganze so unvergesslich gemacht haben und zwar allen Personen, die mit einer positiven Energie Dancing Stars zu dem gemacht haben, was es ist: mein Tanzpartner; meine lieben Dancing Stars Kollegen; alle die mitgefiebert und Daumen gedrückt haben, mir positive Nachrichten geschrieben haben, alle Personen, die für uns ge-votet haben und dafür sorgten, dass wir bis zur letzten Sendung tanzen durften. Einfach alle, die diese Freude, die ich jeden Tag durch das Tanzen gespürt habe, durch positive Worte, Taten und Gedanken mitgetragen haben. Es sind immer die Menschen, die den Unterschied machen.

DANKE AN ALLE, DIE DANCING STARS ZU EINEM UNVERGESSLICHEN LEBENSABSCHNITT GEMACHT HABEN, DEN ICH IN ERINNERUNG HABE, SELBST WENN ICH MIT 80 JAHREN AUF DER PARKBANK SITZE UND MEIN LEBEN REVUE PASSIEREN LASSE.

Photografie: ORF

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Auf dem Laufsteg für einen guten Zweck und Jean Paul Gaultier

Am 16. Mai werde ich auf Europas größtem Charity-Event und einer der größten HIV-Charity-Events weltweit, dem Life Ball, einen aktiven Part einnehmen. Es ist nicht nur einer der größten Charity-Events weltweit, er ist sicher einer der ungewöhnlichsten Benefiz-Veranstaltungen.

Wer den Life Ball nicht kennt und einen Ball im Sinne der traditionellen Wiener Ballsaison vermutet, liegt komplett daneben. Der Life Ball ist sicher die schillerndste und unkonventionellste Interpretation eines Balls: eine Mischung aus Gedenkzeremonie, bewegende Reden zum Thema HIV, Fundraising, Kostümball unter einem jährlich wechselnden Motto (2015: „Gold – Ver Sacrum“) und dem großen Finale, der Life Ball Fashionshow.

Eine Mischung aus Gedenkzeremonie, bewegende Reden zum Thema HIV, Fundraising, Kostümball unter einem jährlich wechselnden Motto (2015: „Gold – Ver Sacrum“) und dem großen Finale, der Life Ball Fashionshow

Die große Modenshow mit dem langem Laufsteg vor dem Wiener Rathaus präsentiert große Designer wie Vivienne Westwood, Roberto Cavalli, Donatella Versace, Vivienne Westwood, Givenchy, Agent Provocateur, Diesel, Dsquared2 und Missoni uvm. Auf dem Catwalk laufen sowohl international bekannte Models als diverse national und internationale Gäste. So sind z.B. bereits Naomi Campbell, Karolina Kurkova oder Eva Padberg auf dem Laufsteg gewesen. 2015 habe ich die Ehre dabei zu sein und werde Jean Paul Gaultier auf dem Laufsteg präsentieren.

 

Quelle: Profilbild der Facebook-Seite des Lifeballs

Quelle: Profilbild der Facebook-Seite des Lifeballs

Als Gery Keszler 1993 den Life Ball zum ersten Mal veranstaltete, war es seine  Vision die Tabuisierung und Stigmatisierung von HIV/AIDS zu brechen sowie Gelder zu sammeln, um die medizinische Situation zu verbessern.

Ich kann mich noch an meinen ersten Kontakt mit HIV erinnern. Es war irgendwann in den 80er Jahren, ich war noch ein Kind in einem Alter zwischen ca. 8 und 10 Jahren.  Irgendjemand hat mir erzählt, dass eine Nachbarin HIV-positiv war. Sie hieß Angelika. Welche Fakten ich damals als Kind konkret über HIV erfahren habe, weiß ich nicht mehr genau. Aber ich kann mich noch gut an die Situation erinnern, als ich Angelika zum ersten Mal getroffen habe, nachdem ich von ihrer Infizierung erfahren habe. Sie kam gerade ins Haus, als ich im Begriff war, das Haus zu verlassen. Wir standen uns gegenüber und grüßten uns. Eigentlich eine alltägliche Situation unter Nachbarn. Nur dieses Mal war es anders. Ein Gefühl der Beklemmung, Angst und Unsicherheit stieg in mir auf. Ich traute mich nicht mehr Angelika die Hand zu geben und hielt die Luft an, aus Angst mich anzustecken mit dieser mysteriösen Krankheit. Gleichzeitig versuchte ich sie verkrampft anzulächeln, denn ich wollte ihr nicht wehtun, sie sollte meine Angst nicht bemerken.

Aber sicher hat sie es gespürt. Weil sie eine ähnliche Situation sicher sehr oft erlebt hat. HIV hatte in den 80er und Anfang 90er etwas Befremdliches und Bedrohliches. Wenn ich heute viele Jahre später als Erwachsene daran denke, dann tut mir mein Verhalten als kleines Kind so leid. Es ist schon schlimm genug zu erfahren, dass man eine unheilbare Krankheit hat. Aber tagtäglich zu erleben, wie das Umfeld Angst hat, wie einem aus dem Weg gegangen wird oder schlecht geredet wird, muss sehr, sehr schlimm sein. In einer Lebenssituation, in der man am allermeisten Menschen um sich braucht, die einem die Hand reichen oder tröstend in den Arm nehmen- in solch einem Moment haben die meisten damals und teilweise noch heute den Rücken zugekehrt bekommen.

 
In einer Lebenssituation, in der man am allermeisten Menschen um sich braucht, die einem die Hand reichen oder tröstend in den Arm nehmen- in solch einem Moment haben die meisten damals und teilweise noch heute den Rücken zugekehrt bekommen.
 

Heute, im Jahre 2015 hat sich die Situation glücklicherweise drastisch geändert.  Der aufgeklärte Bürger weiß, dass diese Krankheit jeden treffen kann und wie der Virus übertragen bzw. nicht übertragen werden kann. Ich bewundere Gery Keszler, der sich früh in diesem Thema engagiert hat, der eine Vision kreiert hat und diese Vision zu einem großen Teil auch realisiert hat. Während HIV Anfang der 90er noch mit sozialer Ächtung zu kämpfen hatte, so ist der Life Ball heute eines der angesagtesten Charity-Events weltweit, dessen Tickets nach circa eine Minute ausverkauft sind- also von einem Extrem ins andere.

Lange Zeit galt HIV als Tabu-Thema, heute sind über 500 Medienvertreter (TV, Presse, Radio) aus aller Welt dabei, um zu berichten. Bill Clinton, Elton John, Sharon Stone, Heidi Klum, Whoopie Goldberg, Eva Longoria, Sean Penn, Catherine Deneuve, Brooke Shields, Antonio Banderas, Naomi Campbell, Hillary Swank und viele mehr haben den Life Ball schon supported. Die vielen prominenten Gäste, die jedes erscheinen, sind aber nicht die Protagonisten. Sie kommen zum Life Ball, um die Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Protagonsiten zu lenken: HIV mit seinen medizinischen, finanziellen und sozialen Folgen.

Hier ein paar wichtige Facts zum Thema HIV (Human imuno deficiency virus)*

  • Weltweit sind ca. 35 Mio. am HIV-Virus erkrankt (Stand 2013)
  • 39 Mio sind bereits an den Folgen dieses Virus gestorben (Stand 2013); Im Jahre 2013 sind ca. 1.5 Mio an den Folgen des HIV-Virus gestorben
  • AIDS (acquired imune deficiency syndrome) darf nicht verwechselt werden mit HIV, denn AIDS bezieht sich auf ein spätes Stadium der Krankheit
  • Es gibt mittlerweile gute Therapien wie z.B. die Antiretrovirale Therapie (ART), welche die Reproduktion von HIV-Zellen stoppt, so dass die körpereigenen Immunzellen  länger leben. Diese Therapie reduziert die Übertragung des HIV-Virus bei Geschlechtsverkehr um 96% und ist eine wichtige Therapie zur Reduktion der Übertragung des Virus von Mutter zu Kind

o   In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben 12 Mio. Zugang zu dieser Therapie gehabt

o   7 von 10 schwangeren Müttern werden mit ART behandelt, um die Wahrscheinlichkeit der Übertragung drastisch zu reduzieren.

*Quelle: http://www.who.int/features/factfiles/hiv/facts/en/index5.html

 

Die Organisation AIDS LIFE

Die Situation von HIV-Betroffenen hat sich deutlich verbessert. Man sieht jedoch, dass weltweit noch nicht alle Betroffenen Zugang zu einer modernen Therapie haben. Besonders Südafrika kämpft noch in großem Maße gegen das Virus. Es fehlt nach wie vor Geld für Prävention, Diagnostik und Behandlung zur Verbesserung der weltweiten Situation.

Weltweit haben noch nicht alle Betroffenen Zugang zu einer modernen Therapie

Die Organisation AIDS Life - die Organisation, die hinter dem Life Ball steht- gehört weltweit zu den größten privaten Geldgebern von nationalen und internationalen Non Profit Organisationen, die sich mit dem Thema HIV beschäftigen (mehr Infos über AIDS Life unter http://www.lifeball.org/aids-life/).

Wer spenden möchte- jeder Euro zählt:  
Verein AIDS LIFE: Erste Bank; Kontonummer 300 000-13131; BLZ 20111; IBAN: AT692011130000013131; BIC: GIBAATWWXXX oder via SMS-Spendenhotline: +43 (0)676 - 800 7676

 

TV-Übertragung

Der Life Ball wird live vom ORF übertragen am 16. Mai ab 20.15 Uhr

 

Life Ball- fighting Aids and celebrating live since 1993.