Learnings aus meiner bisherigen Ernährungs-Reise

Im März 2014 habe ich meine Ernährung radikal umgestellt. Dies ist nun drei Jahre her und innerhalb dieser drei Jahre hat es immer wieder neue Erkenntnisse und Anpassungen gegeben, so dass ich Euch mal eine Zusammenfassung meiner bisherigen Reise gebe.

 

Meine Inspiration

Da die Ernährung eine wichtige Rolle im Leistungssport spielt und mir eine Ernährung wichtig war, die so natürlich wie möglich ist, bin ich irgendwann bei Rohkost gelandet. Anläufe im Bereich Rohkost hatte ich einige, allerdings habe ich gedacht, ich würde es nicht vertragen, bis ich auf wichtige Themen gestossen bin, die Ihr in meinem Blog nachlesen könnt.

Inspiriert wurde ich insbesondere von der Ernährungsbewegung 801010 nach Dr. Graham, Rawtil4 sowie Freelee, the Banana Girl.

 

Meine erste Phase

Ich habe immer gesagt, ich möchte nicht dogmatisch eine Ernährungsweise folgen, da es doch oft genug Gelegenheiten gibt (z.B. Restaurant-Besuch; Essens-Einladungen bei Freunden etc.), in denen ich Lust auf etwas anderes habe. Dennoch habe ich eine längere Zeit die Ernährungsweise 801010 recht strikt gelebt. In diesem Blog habe ich mal 3 Tage meine Ernährung dokumentiert, damit jeder sich eine Vorstellung machen kann.

Die Vorteile zusammengefasst waren, dass ich mich unglaublich gut gefühlt habe voller Energie, einen frischen Geist und es mir nie einfacher gefallen ist mein Gewicht zu halten. Meist bin ich sogar knapp mit meinem Kampfgewicht herumgelaufen.

Fotografie: Nicole Wesner

Fotografie: Nicole Wesner

Salzzufuhr

Die Ernährung von Dr. Graham ist salzlos und dies habe ich auch eine Weile praktiziert, was eine wunderbare Erfahrung war, um meine Geschmacksnerven wieder zu sensibilisieren. Aber auch, um den Körper wieder besser zu verstehen: Wenn ich Lust auf Salz hatte, dann wusste ich, dass mir Mineralien fehlen (> mehr Salate, Sellerie etc.). Sobald sich mein Mineralienhaushalt normalisiert hat, hatte ich keine Lust mehr auf salzige Gerichte.

Irgendwann habe ich allerdings doch wieder begonnen ab und zu etwas Salz zu meinen Gerichten hinzuzufügen aus geschmacklichen Gründen. Mein Salz ist immer sehr hochwertig, wird sparsam dosiert, aber dennoch stelle ich es immer sofort am Gewicht fest, wenn ich Salz zu mir nehme.

Mein Bezug zu Salz hat sich komplett verändert durch meine Ernährung.

 

Mikronährstoffe

Das gerade genannte Thema Mineralienhaushalt führt mich zu einem weiteren wichtigen Thema: ich kann nur jedem empfehlen (auch Nicht-Leistungssportler) mal ein Ernährungstagebuch zu führen, dass auch Mikronährstoffe analysiert (z.B. Apps wie Cronometer, Lifesum etc.). Die Ernährung der meisten Personen hat viele Defizite insbesondere im Vitamin- und Mineralienhaushalt mit entsprechenden Folgeerscheinungen. Wer zumindest mal temporär ein Ernährungstagebuch führt, sieht, dass eigentlich kein Weg an einem hohen Rohkost-Anteil vorbei führt. Ein kleiner Beilagensalat zum Mittagessen und ein Apfel als Nachmittagssnack ist besser als nichts, aber macht nicht wirklich einen großen Unterschied. 

 

Anpassungen der Proteinzufuhr

Lange Zeit habe ich meine Proteine fast nur über Obst, Gemüse, Nüsse und Samen sowie rohes Getreide zu mir gekommen (ja- auch in Obst und Gemüse sind Proteine;-) Wenn ich jedoch eine Krafteinheit hatte, dann habe ich nach dem Training einen Shake auf Basis von roh-veganem Protein (z.B. Reisprotein) ergänzt. Das war ein ziemlich starker Wechsel zu meiner vorherigen Ernährungsweise. Mein Oberkörper insbesondere Arme haben sich nicht verändert und ich habe meine Trainer auch öfter gefragt, ob sich an der Schlagstärke etwas geändert hat, was immer verneint wurde.

Aber irgendwann habe ich festgestellt, dass meine Beine und Gluteus ziemlich viel Muskeln verloren haben. Als ich dies bemerkt habe, war ich ganz erschrocken. Es ging nicht um die Optik (auch wenn ein Knack-Popo natürlich auch ne tolle Sache ist;-). Nein, Beine und Gluteus sind wichtig für die Kraftübertragung in der Muskelschlinge und ausserdem war es für mich ein Zeichen, dass ich zu wenig Eiweiss für meine Regeneration zu Verfügung hatte, denn sonst hätten meine Beine nicht abgebaut. Lange habe ich dann soviel supplementiert, dass mein Eiweissgehalt bei ca 60-75 g lag (bei einer Kalorienzufuhr von ca. 3000 kcl entsprach dies den 10% nach Dr. Graham).

Seit einigen Monaten redet jedoch mein Athletik-Trainer Dominik Schmidt auf mich ein, dass ich mein Protein auf mind. 100 g pro Tag bringen soll aus unterschiedlichsten Gründen und da er ein richtiger Athletik-Nerd ist, der sich immer in alle Themen so richtig reinkniet und sich in allen wichtigen Ernährungs-Themen richtig gut auskennt (z.B. viele Vorträge hält), höre ich auf ihn und habe meinen Proteingehalt derzeit auf ca. 100 g pro Tag erhöht.

 

Wie nehme ich mein Protein zu mir?

Fotografie: Purya

Fotografie: Purya

Ein Teil kommt durch die Ernährung (Obst, Gemüse, Nüsse, Samen, Getreide), ein Teil durch roh-veganes Eiweisspulver. Meine derzeitige bevorzugte Marke ist Purya. Auf diese Marke bin ich zum ersten Mal gestossen, als ich bei Freunden das roh-vegane Kürbisprotein mit Pflanzenmilch und Süßungsmittel probiert habe- himmlisch, das müsst Ihr unbedingt mal probieren!! Dann habe ich mir das restliche Sortiment angeschaut. Ihr Sortiment ist bio-zertifiziert und in Österreich und Deutschland hergestellt sowie geprüft. Das sind wichtige Kriterien für mich, denn meine Nahrung ist weitestgehend biologisch und gerade Reisprotein, das (ebenso wie Reis) in Gefahr der Arsenverseuchung ist, sollte aus der Region hergestellt und geprüft und kein billiger Asia-Import sein. Ich möchte an dieser Stelle faireshalber sagen, dass ich mit Purya zusammenarbeite, allerdings habe ich mir Purya ausgesucht eben aufgrund dieser Kriterien.

 

Mein Obstanteil

Mein Obstanteil ist sehr hoch, Obst ist mein Hauptnahrunsgmittel. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass viele Leute Obst meiden aufgrund dieser ganzen Low-Carb-Welle. Obst ist mein Benzin, das meinen Motor antreibt- ich liebe Obst!

 

High Carb vs. Low Carb

Ich ernähre mich in meinem normalen Alltag High Carb (Kohlehydrate insbesondere durch Obst). Lediglich wenn ich temporär mal abnehmen muss wie z.B. die Tage vor einem Kampf, achte ich auf die Kohlehydrate. Dabei spreche ich von der letzten Kampfwoche, die aber nicht wirklich repräsentativ für mein normales Leben ist.

 

Süßungsmittel

Einer meiner Lieblingssprüche, den ich wirklich oft sage, ist: im Leben gibt es immer zwei Seiten der Medaille; selten gibt es nur Gutes oder nur Schlechtes. Dies trifft auch auf meine Ernährung zu. Über die Vorteile habe ich in meinen diversen Blogs berichtet, aber es gibt auch einen Nachteil: meine Zähne. Auf den ersten Blick wirkt es, als ob man sich bei rohkost-dominanter Nahrung fast nicht die Zähne putzen müsste, denn wenn man mit der Zunge über die Zähne fährt, dann sind die immer total glatt, wie man es bei Kochnahrung nie hat. Der Schein trügt, leider habe ich immer wieder Zahnprobleme, seit ich meine Ernährung umgestellt habe, da die Fructose doch etwas aggressiv für die Zähne ist. Fleischfresser haben auch andere Zähne als Lebewesen, die viele Kohlehydrate essen. 

Daher süße ich seit geraumer Zeit mein Essen insbesondere mit Xylit (Birkenzucker), welches gut für die Zähne sind. Weitere Süßungsmittel, die ich derzeit gerne verwende, sind Honig und Kokosblütenzucker.

 

Roh vs. gekocht

Mein Rohkost-Anteil war immer sehr hoch und lag meist bei 80 oder 90 %. Warum er nicht bei 100 % ist (auch wenn ich immer wieder solche Phasen hatte), liegt an den Anlässen wie oben beschrieben, in denen ich mal mit Freunden im Restaurant war u.ä. Situationen.

Eigentlich war ich immer eine recht robuste Natur, die selten krank wird. Diesen Winter war ich allerdings vier oder fünf Mal verschnupft. So habe ich begonnen, öfters abends eine gekochte Mahlzeit mit wärmenden Gewürzen zu essen. Tagsüber habe ich mich roh ernährt, am Abend habe ich dann Kartoffeln oder Getreide mit warmen Gemüse gegessen. Wir haben jetzt Mai- ob ich mich weiterhin so ernähren werde, wenn der Sommer beginnt, kann ich noch nicht sagen.

 

Kein Label

„Bist Du Rohköstlerin?“ „Also ich ernähre mich überwiegend roh, aber wenn ich unterwegs mit Freunden bin in einem Restaurant, dann bestelle ich etwas ganz Normales von der Karte“.

„Bist Du Veganerin?“ „Nein, ich süße oft mit Honig. Und wenn ich wie beschrieben mal im Restaurant bin und im vegetarischem Bereich nichts finde, dann kann es auch passieren, dass ich etwas mit Fleisch esse.“

„Was bist Du dann?“ Ich muss dann oft etwas schmunzeln, denn in einer dualistischen Welt, in der alles genau abgegrenzt, definiert und gelabelt wird, wollen die Leute immer einen konkreten Namen wissen. Vielleicht muss ich meiner Ernährung ein eigenes Label verpassen, damit die Leute zufrieden sind.

 

Wie ist das mit der Disziplin?

Ich bekomme viele Reaktionen zu meiner Ernährung und den Satz, den ich wohl am meisten gehört habe, ist „Ich bewundere Dich für Deine Disziplin“. Dieser Satz trifft es aber nicht richtig. Disziplin ist für mich, dass mein ein Ziel hat und den Weg konsequent geht, um dieses Ziel zu erreichen, z.B. ich möchte Leistungen im Training erreichen, habe eigentlich Lust auf z.B. ein Eis, aber ich unterdrücke es, weil ich mein Ziel im Blick habe.

Dies ist aber nicht der Fall denn:

  1. Sollte ich mal keine Leistungssportlerin sein (also wenn das sportliche Ziel wegfällt), dann werde ich mich ziemlich sicher weiterhin gesund ernähren.
  2. wenn ich Lust auf z.B. ein Eis habe, dann esse ich das auch!

Von Anfang an habe ich gesagt, ich möchte keine dogmatische Ernährungsweise, denn meiner Meinung nach fängt da das Problem schon an. Wenn ich auf einer Feier bin, alle essen etwas Leckeres und in meinem Kopf kreisst nur noch der Gedanke, dass ich das auch essen möchte, dann wird Essen immer mehr zur Hauptsache. 

Mittlerweile bin ich so bei meiner gesunden Ernährung angekommen, dass ich hier und da auch „sündige“, aber dann meist mein Essen wieder vermisse. Und seit ich ich mich so ernähre, habe ich auch kaum noch Gelüste auf irgendetwas, denn meiner Erfahrung nach, habe ich Gelüste, wenn mir irgendwelche Makro-/Mikro-/Vitalstoffe fehlen (z.B. wenn ich Lust auf etwas Salziges habe, fehlen mir eigentlich Mineralien, die ich über Salate und Gemüse zu mir nehmen sollte). Ich fühle mich in meiner Ernährung angekommen, aber die Reise geht sicher dennoch weiter. Dies ist nur ein lieber Gruss von meiner derzeitigen Reise-Station, die mir so gut gefällt, dass ich mich schon seit einer Weile hier aufhalte. 

 

Anmerkung: Schon oft habe ich mich mit Leuten zu dem Thema Ernährung unterhalten. Die Erfahrung, die ich dabei gemacht habe ist, dass Ernährung ein sehr persönlicher Weg ist. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Wenn ich über meine Ernährung spreche, so ist dies auch nur eine Beschreibung meines persönlichen Weges und meiner Erfahrung. Ich möchte niemanden zu etwas überreden und ich halte mich auch allgmein von Diskussionen zum Thema Ernährung fern, weil dieses Thema leider oft sehr emotional diskutiert wird. Die Studienlage ist oft sehr widersprüchlich und eine absolute Wahrheit kann man in diesem Thema wahrscheinlich nie finden, weil das Themengebiet so komplex ist. Daher probiere ich Dinge aus und schaue wie es mir dabei geht. Vielleicht bin ich jetzt von etwas überzeugt und irgendwann probiere ich etwas Neues und bin davon überzeugter.

Wenn ich auf meiner Homepage über meine Ernährung schreibe, dann ist dies daher lediglich eine Beschreibung meines höchst persönlichen Wegs, von dem ich diesem Moment überzeugt bin. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen und seinen Weg finden.