Mein Ninja- Erlebnis oder: der Kopf im Wettkampf

Als ich die Zusage bekommen habe, dass ich bei Ninja Warrior Germany mitmache, hatte ich gemischte Gefühle. Ein Himmelhochjauzen und große Freude, da mir die Show gut gefallen hat. Aber ich hatte auch großen Respekt, denn als Sportlerin habe ich schon einschätzen können, dass dies kein Spaziergang wird. Immerhin haben in der USA alle Leute, die weit gekommen sind, gute Voraussetzungen mitgebracht wie z.B. sie kommen aus dem Klettern, Turnen, Akrobatik, Freerunning oder ähnlichen Sportarten, die mit dem Parcours von Ninja Warrior Schnittmengen im Training haben. Wir Boxer trainieren viele Dinge wie Technik, Kraft, Ausdauer oder Schnelligkeit, was das Training zum einen so abwechslungsreich macht und dafür sorgt, dass wir eine allgemein gute Fitness haben. Jedoch sind wir in vielen sportmotorischen Grundeigenschaften gut, aber in keiner herausragend, weil dies eben nicht das Anforderungsprofil der Sportart ist- dafür müsste man in den einzelnen Bereichen mehr trainieren, als es die Sportart ermöglicht. Und die Personen, die es in den USA weit geschafft haben, haben auch ein oder zwei Jahre nichts anderes trainiert.

Das erste was ich nach der Zusage gemacht habe, war die Boulderwand hochklettern. Das erste Mal in meinem Leben, mein Respekt an alle Kletterer! 

Kurz nachdem ich bei Ninja Warrior zugesagt habe, habe ich erfahren, dass ich am 9. Juli um die WM boxen soll. Oh Mann, wie löse ich das nun am besten? Ich konnte mich nicht auf Ninja Warrior konzentrieren, dort verlieren und anschliessend laufe ich Gefahr meine Gürtel zu verlieren, weil ich die Prioritäten nicht richtig gesetzt habe. Die Herausforderung war nun, sich optimal auf die WM und parallel für Ninja Warrior Germany vorzubereiten.

Ninja Einheiten waren z.B. klettern, die Halfpipe hochlaufen oder auch mal ein Tau hochklettern.

Also hiess es fortan, an jedes Training jede Menge Klimmzüge anzuhängen und ab und zu eine „Ninja Einheit“ einzubauen. Ninja Einheiten waren z.B. klettern, die Halfpipe hochlaufen oder auch mal ein Tau hochklettern (in meinem YouTube-Kanal habe ich ein paar Trainingsvideos meiner Ninja-Zeit hochgeladen). In der ersten Woche habe ich es so übertrieben, dass ich mich tatsächlich ins Übertraining geschossen habe und eine 2-tägige Pause einlegen musste. 4 Wochen Zeit hatte ich ab Zusage und habe versucht alles zu geben.

 

Ich war überrascht, wie viele Leute aus meinem Umfeld Ninja Warrior kannten. Viele waren Fan der Show und haben sich gefreut, dass ich mitmache. Die Reaktion der Meisten war „Nicole, Du bist so fit, als Boxweltmeisterin ist das sicher kein Thema für Dich!“ Naja, die Sache ist - gerade als aktive Sportlerin ist es schwierig, denn wenn man für seinen Sport ordentlich trainiert, dann ist da eigentlich nicht viel Platz für andere sportliche Betätigungen, denn sonst hat man nicht nicht ordentlich für seinen Sport trainiert. In dieser Situation waren die meisten anderen Teilnehmer nicht, so dass sie sich voll und ganz auf das Ninja Training vorbereiten konnten.

Naja, die Sache ist - gerade als aktive Sportlerin ist es schwierig, denn wenn man für seinen Sport ordentlich trainiert, dann ist da eigentlich nicht viel Platz für andere sportliche Betätigungen

Manche Teilnehmer sind sogar nach Florida geflogen, um dort in einem Ninja Warrior Gym zu trainieren. Ein anderer Teilnehmer hat sich den Parcours in seinem Garten nachgebaut, andere Teilnehmer haben von diesem Garten-Parkours mitbekommen und haben dort ebenfalls trainiert. Wahnsinn! Das komplette Ninja-Fieber ist ausgebrochen.

Dann kam der große Tag. Der Spirit vor Ort war einfach der Hammer! Alle Sportler haben sich gegenseitig unterstützt, Tipps gegeben wie man die Hindernisse am besten bewältigt und für jeden mitgefiebert. Eigentlich waren allen Konkurrenten, aber das Feeling war genau das Gegenteil.

Der Spirit vor Ort war einfach der Hammer!
Fotografie: Laura Wontorra (Quelle Instagramm Account Laura Wontorra)

Fotografie: Laura Wontorra (Quelle Instagramm Account Laura Wontorra)

Mein Lauf selbst endete leider sehr früh. An der Sprungkraft lag es nicht, denn ich mache regelmässig Tests im Standweitsprung und da liege ich mit 2,10 bis 2,20 im guten Bereich (ab 2,00 gut, ein Ergebnis von 2,50 und mehr ist als sehr gut einzustufen, was zum Beispiel Leichtathleten erreichen). 

 

Es war mein Kopf, der nicht mitgespielt hat. Zu wissen, dass man sich nicht so vorbereitet hat, wie es eigentlich sein sollte, bringt einem nicht die mentale Einstellung, die man für solch einen Parcours braucht. Und das ist eine Rolle der Vorbereitung auch bei einer WM: zu wissen, dass man alles im Training gegeben hat, ist genauso wichtig, wie die Vorbereitung selbst.

Dummerweise habe ich kurz nach meinem Parcours-Lauf erfahren, dass mein Kampf am 9.7 nicht stattfindet, Ihr könnt Euch vorstellen, wie ich mich geärgert habe!

Was ich mir mitgenommen habe? Eine Parkbank-Geschichte!

Was ich mir mitgenommen habe? Eine Parkbank-Geschichte! Die Oma meiner Freundin hat mal gesagt, man muss sein Leben so leben, dass man Geschichten erzählen kann, wenn man mit 80 Jahren auf der Parkbank sitzt. Das war so eine Geschichte! Den Tag bei Ninja Warrior Germany werde ich nie vergessen und gehört zu den Geschichten, die mein Leben bunt machen.

Ob ich es wieder machen würde? Definitiv! Wahrscheinlich würde ich das nächste Mal auch nach Florida ins Ninja Warrior Gym zum Training fliegen ;-)

Ich hoffe, Euch hat die Show gefallen- also ich bin ein Fan geworden!