Heute in ATV oder: Braucht man Emotionen im Kampf?

Heute kommt um 21.20 Uhr in ATV ein Beitrag zum Thema Zorn als einer der 7 Episoden der Reihe „Die 7 Todsünden“. Als mich ATV angerufen hat, ob ich bei dem Beitrag mitwirken will, war meine erste Antwort, dass ich da nicht die Richtige für ihren Beitrag bin, da Boxsport nichts mit Emotionen wie z.B. Zorn zu tun hat, weil es ein strategisch-taktischer Sport ist, in dem Emotionen nichts verloren haben. Als man mir entgegnete, dass  man möchte, dass ich all diese Dinge, die ich der Reporterin gerade erklärt habe, bitte in dem Beitrag erklären soll- ja sogar, dass man genau diese Dinge eben beleuchten möchte- war ich sofort dabei.

Ab und zu begegne ich als Kampfsportlerin Fragen, Meinungen und Vorstellungen anderer Leute, die nichts mit der Realität des Leistungssport Kampfsport zu tun haben

Ab und zu begegne ich als Kampfsportlerin nämlich Fragen, Meinungen und Vorstellungen anderer Leute, die nichts mit der Realität des Leistungssport Kampfsport zu tun haben.

Emotionen im Ring

Wenn man mit Emotionen boxt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man den Kampf verliert. Wichtig ist es, den Kampf unter strategisch-taktischen Gesichtspunkten zu gestalten. Emotionen trüben meistens den klaren Blick für die Situation.

Schlagstärke und der Gegner

Nahezu alle Sportarten haben technische, taktische und strategische Elemente. Daher nehme ich manchmal eine andere Sportart, um zu verdeutlichen, dass es ihm Boxsport ähnlich ist.

Ein Tennisspieler beobachtet seinen Gegner. Es ist sein Ziel, den Ball dorthin zu platzieren, wo die Lücke ist / der Gegner nicht steht. Das Gleiche gilt für den Boxer. Er platziert seine Schläge in die Lücke des Gegners.

Die Schlagstärke ist dabei ein Mittel zum Zweck, um effektiver und effizienter ans Ziel (Sieg) zu kommen. Ein Boxer freut sich, wenn er den Gegner ausknockt, aber niemand möchte der anderen Person dauerhaft schaden. Es gibt unzählige Freundschaften im Kampfsport von Sportlern. Befreundete Sportler absolvieren ein Sparring und anschliessend gehen sie zusammen etwas essen.

Über den Sinn und Unsinn der Boxerei

Interessanterweise habe ich noch nie eine seltsame Frage zum Thema Kampfsport von einem Leistungssportler einer anderen Sportart gestellt bekommen. Aussagen wie „was hat das für einen Sinn, dass 11 Leute einem Ball hinterher rennen“ würde wahrscheinlich nie ein Boxer sagen. Und ein Fußballer würde wahrscheinlich nie sagen „ich kann nicht verstehen, wie man sich schlagen kann“.

Meine Beobachtung ist, dass dies in der Regel Aussagen von Personen sind, die nie im Leistungssport waren und keinen Bezug zum Thema Sport überhaupt haben.

Es geht primär nicht um Sinn oder Unsinn. Es gibt einfach auf der einen Seite Personen, die Freude an der Bewegunserfahrung der Sportart haben, welche die Essenz des Sports (Technik, Taktik, Strategie) anspricht und sie daher den Sport gerne ausüben. Und es gibt andere, die sich den Sport gerne ansehen. Sport ist Entertainment. Ob ich ins Kino gehe, ein Gesellschaftsspiel spiele oder Sport anschaue/selbst betreibe- all das ist Entertainment.

Manche wählen eben Sport als ihre Freizeitbeschäftigung, entweder als aktiver Sportler oder als Zuschauer. Weil Sport wahrscheinlich die Freizeitbeschäftigung mit den meisten  Emotionen ist.

Aber die Emotion, um die es in dem heutigen ATV-Beitrag geht- auf die muss man da eher verzichten.

 

Ausstrahlung

21.20 Uhr in ATV; "Die 7 Todsünden: Zorn"; verschiedene gesellschaftliche Bereiche des „Zorns“ werden beleuchtet inklusive dem Bereich Sport.