801010- (fast) nur noch rohes Obst und Gemüse. Mein radikaler Ernährungswechsel vor 1 Jahr

Als ich mit dem Boxsport begann, musste ich mich zwangsläufig auch mit dem Thema Gewichtsmanagement auseinandersetzen, um in meiner Wunsch-Gewichtsklasse antreten zu können. Lange habe ich mich Low Carb (also High Protein / High Fat) ernährt, bis ich aus verschiedenen Gründen (sh. Kapitel „Meine Ernährung“) von jetzt auf nachher einen komplett anderen Kurs eingenommen habe: High Carb Low Fat (HCLF) und hauptsächlich aus Rohkost. Dieser Wechsel fand im März 2014 statt. Mittlerweile ist also über ein Jahr vergangen, so dass ich über einige Erfahrungen berichten kann.

Ich hatte schon einige Rohkostversuche unternommen und mir eingebildet, ich vertrage es nicht gut. Heute weiss ich auch warum. Bei Gelegenheit werde ich mal über meine Rohkost-Ernährungsfehler berichten, denn ich möchte meine Erfahrungen gerne weitergeben an all diejenigen, die glauben sie vertragen Rohkost nicht gut- so wie ich es einst auch geglaubt habe.

Im Bereich der Rohkost gibt es verschiedene Ernährungsformen. Viele Rohköstler nehmen große Mengen an Fett zu sich (Nüsse, Samen, Avocados etc.). Andere essen viel stärkehaltige Lebensmittel (z.B. Getreide). Meine Ernährungsform hingegen basiert hauptsächlich aus Obst (Hauptnahrungsmittel) und Gemüse und lässt sich in die Ernährungsweise 801010 einordnen, dessen Begründer Dr. Graham ist, auch wenn ich hier und da ab und zu von Dr. Grahams Lehre abweiche.

Diese Zahlen beschreiben dabei das Kalorienverhältnis:

Meine Gesamtkalorien bestehen zu

  • 80% aus Kohlehydraten
  • 10% aus Eiweiss und
  • 10% aus Fett.
Meine neue Ernährungsweise lässt sich in die Ernährungsweise 801010 einordnen

Beispielsweise esse ich 3000 Kalorien pro Tag, dann bestehen 2400 kcl aus Kohlehydrate (600 g), 300 kcl aus Eiweiss (75 g) und 300 kcl aus Fett (33 g). Diese Ratio gilt natürlich nur ungefähr. Mal habe ich Tage, da habe ich einen Eiweiss- oder Fettanteil von etwas unter 10 %, an anderen Tagen etwas über 10 %. Diese Prozent-Angaben sind eher als Mittelwerte zu betrachten.

Man ernährt sich dabei von rohem Obst und Gemüse (in der Version Rawtil4 ab 16 Uhr auch gerne gekocht), ferner in geringem Maße auch Nüsse und Samen und man verzichtet dabei auf Salz, Essig, Öle und sonstiger verarbeiteter Ernährung. Ebenso verzichtet man auf anregende Nahrungsmittel wie Kaffee, Tee oder Kakao, was ich jedoch in geringem Maße schon esse/trinke. Weiterhin soll man viel Wasser trinken, ausreichend schlafen, auf genügend Sonnenlicht achten und sich ausreichend bewegen (mehr Infos zu 801010 findet Ihr im Netz oder Ihr lest das Buch von Dr. Graham, siehe weiter unten)

                                            Fotografie: Nicole Wesner

                                            Fotografie: Nicole Wesner

 

Die Vorteile, die ich erlebe:

  • Hohes Energie-Level, auch nach einer Mahlzeit –ich fühle mich unglaublich gut
  • Geistige Klarheit: ich habe auf einmal sehr deutlich gemerkt, wie die Ernährung den Geist beeinflusst. Wenn ich z.B. lange Zeit strikt roh esse und dann wieder etwas Gekochtes, fühle ich mich fast benebelt. Wenn ich am Abend mal etwas Gekochtes esse wie z.B. ein Restaurant-Besuch mit Freunden, dann komme ich morgens deutlich schwerer aus den Federn und brauche länger "bis der Motor anspringt", als wenn ich mich 801010 roh ernähre.
  • Keine Gelüste mehr: mit der Low Carb Ernährung hatte ich stets Gelüste, aus jeder Ecke lachten mich Kohlehydrat-haltige Sachen an. Das habe ich nicht mehr
  • Abnehmen: trotz der vielen Kohlenhydrate habe ich abgenommen. Ich hungere nicht, habe keine Gelüste und nehme trotzdem ab
  • Unkomplizierte Ernährung: auch wenn es viele tolle Rohkost-Rezepte gibt, die ich auch ab und zu ausprobiere, so ist es eher die Regel, dass ich es einfach halten.  Ohne das Kochen und weniger Abwaschen spare ich viel Zeit. Wenn ich unterwegs bin, habe ich meist Trockenobst wie Datteln dabei und Obst gibt es in jedem Supermarkt zu kaufen.
  • "The greatest value of raw food is its transformatic value" (Joe Alexander). Rohkost hat nach Erfahrung vieler Rohköstler die Fähigkeit, die Selbstheilung des Körpers anzuregen und Krankheiten zu heilen. Der Erklärungsansatz ist, dass der Körper nicht mehr damit beschäftigt ist, Lebensmittel zu verarbeiten, die dem Körper fremd sind wie künstliche Aromen, Konserverungsstoffe, durch den Kochprozess veränderte Nahrung etc. und somit besser die Möglichkeit hat, interne Heilungsprozesse im Bedarfsfall in Gang zu setzen. Darüber kann ich persönlich keine Erfahrungen berichten, was wohl daran liegt, dass ich keine Krankheit oder Allergien habe. Allerdings habe ich Bekannte, die mir von entsprechenden Erfahrungen berichten. Zum Beispiel kenne ich. ein Mädchen, die mir erzählt hat, wie ihre Neurodermitis nach circa zwei Jahren reiner Rohkost gemäß 801010 verschwunden ist.
Hohes Energie-Level, auch nach einer Mahlzeit –ich fühle mich unglaublich gut

 

Soooo wenig Eiweiss und dass auch noch als Leistungssportler?

Ich höre schon die Reaktionen;-)  Dabei kann ich Euch beruhigen: seit März 2014 ernähre ich mich schon so. Im Krafttraining drücke ich genauso viel wie vorher, ich schlage genauso hart wie zuvor und optisch hat sich auch nichts verändert. 

Selbstverständlich kenne ich die Empfehlungen, dass ein Leistungssportler 1,6 g – 1,8 g Eiweiss pro Kilo Körpergewicht essen sollte, denn schliesslich habe ich mich selbst lange so ernährt. Allerdings zweifel ich mit meinen Erfahrungen seit meiner Umstellung an, ob diese hohe Menge Eiweisskonsum wirklich notwendig ist. Meinen Eiweiss-Anteil nehme ich über Obst und Gemüse und ferner über (in geringem Maße) Nüsse und Samen zu mir. Am Abend trinke ich ab und zu einen Eisweiss-Shake aus Reisprotein (wie z.B. Sunwarrior, der sogar in Rohkostqualität hergestellt wird, d.h. wurde nie über 42 Grad erhitzt), obgleich dies nicht der reinen Lehre von Graham entspricht. Aber ich weiche in ein paar Dingen von Dr. Graham leicht ab.

 

Wie behält man denn den Überblick, das Verhältnis 801010 einzuhalten?

Anfangs habe ich mit einer App gearbeitet, die mir das ausgerechnet hat (zu finden auf www.cronometer.com). Aber man braucht so etwas eigentlich nicht. Wenn man sich nach Dr. Graham ernährt, kommt man automatisch ungefähr auf dieses Verhältnis.

 

Ist das denn eine natürliche Ernährungsform?

Dr. Graham hat einen interessanten Erklärungsansatz über die natürliche Ernährungsweise. Er fragt: was würden wir Menschen am liebsten essen, wenn wir in der freien Natur wären? Würde uns das Wasser im Mund zusammenlaufen, wenn wir vor einem Getreidefeld stehen? Nein. Würde uns das Wasser im Mund zusammenlaufen, wenn eine Kuh vor uns laufen würde? Nein. Aber wenn wir einen Apfel sehen würden- was wäre unser Instinkt? Wir würden reinbeisssen wollen! Ich finde, die Logik hat was.

 

Wie schaut so ein Tag aus, wovon ernähre ich mich?

Tagsüber esse ich meist Obst. Damit ich von Obst satt werde, muss ich natürlich größere Portionen essen. D.h. kein ununterbrochenes Essen den ganzen Tag wie z.B. hier einen Apfel, da eine Banane etc, sondern man bereitet sich größere Portionen zu. Ein klassisches Frühstück bei mir ist z.B. ca. 8 Bananen, die ich zu einem Brei mixe und manchmal mache ich ein paar Gewürze dazu wie echte Vanille, Carob, Kakao (Kakao ist nicht 801010 nach der reinen Lehre), Zimt etc. Mittags mach ich mir oft einen Obstsalat mit einer Fruchtsoße. Abends esse ich meist einen Salat (das Dressing mache ich nicht mit Essig und Öl, sondern aus Gemüse und/oder Obst oder aus einer Avocado), Gemüsenudeln oder Gemüse mit Dip.

Um etwas Abwechslung reinzubekommen, koche ich manchmal, jedoch eher selten abends etwas mit Kartoffeln, Gemüse, manchmal auch Getreide. Ein Gericht, dass ich abends ab und zu esse sind z.B. selbstgemachte Ofen-Pommes. Tagsüber roh und abends nach 16 Uhr gekocht zu essen, ist die sog. Rawtil4-Variante.

 

Nur Obst und Gemüse- ist das nicht langweilig?

Ich hätte es nicht gedacht aber: nein, es macht wirklich Spass so viel Obst zu essen. Vielleicht hat Dr. Graham ja Recht, dass wir von Natur aus Obstesser sind. Und wenn ich doch mal Lust auf etwas anderes habe z.B. wenn ich mit Freunden auswärts esse, dann esse ich es auch. Ich sehe mich nicht als Sklave einer Ernährungsform. Eine 80%-Variante habe ich es genannt, denn weitestgehend ernähre ich mich nach 801010, aber manchmal esse oder trinke ich auch mal etwas anderes bei z.B. sozialen Gelegenheiten (bei Freunden, Restaurant-Besuch etc.). Und wenn ich zu oft etwas anderes esse (z.B. in der Woche nach dem Kampf esse ich alles Mögliche), dann komme ich eh wieder auf 801010 zurück, da ich mich damit einfach am besten fühle.

In den Wochen vor dem Kampf ernähre ich mich fast 100 % 801010 (roh), da ich die Vorteile dieser Ernährungsform gerade in der Vorbereitungs-Phase haben möchte (Energie-Level, Gewicht, Klarheit). Trotz meiner Ausnahmen hier und da bezeichne ich mich selbst als Rohköstlerin, da dies die Ernährungsform meines täglichen Lebens ist.

 

Weiterführende Informationen:

Dr. Douglas N. Graham ist der Begründer dieser Ernährungsform. Dieses Buch vermittelt interessante Informationen zum Hintergrund und Umsetzung. Lohnenswertes Buch!

Becoming each day a better version than the day before.

 

Anmerkung: Schon oft habe ich mich mit Leuten zu dem Thema Ernährung unterhalten. Die Erfahrung, die ich dabei gemacht habe ist, dass Ernährung ein sehr persönlicher Weg ist. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Wenn ich über meine Ernährung spreche, so ist dies auch nur eine Beschreibung meines persönlichen Weges und meiner Erfahrung. Ich möchte niemanden zu etwas überreden und ich halte mich auch allgemein von Diskussionen zum Thema Ernährung fern, weil dieses Thema leider oft sehr emotional diskutiert wird. Die Studienlage ist oft sehr widersprüchlich und eine absolute Wahrheit kann man in diesem Thema wahrscheinlich nie finden, weil das Themengebiet so komplex ist. Daher probiere ich Dinge aus und schaue wie es mir dabei geht. Vielleicht bin ich jetzt von etwas überzeugt und irgendwann probiere ich etwas Neues und bin davon überzeugter.

Wenn ich auf meiner Homepage über meine Ernährung schreibe, dann ist dies daher lediglich eine Beschreibung meines höchst persönlichen Wegs, von dem ich diesem Moment überzeugt bin. Ich werde sehr oft zu meiner Ernährung befragt und teile meine Erfahrungen gerne. Jeder muss jedoch seine eigenen Erfahrungen machen und seinen Weg finden.