Zum Boxen bin ich durch einen großen Zufall gekommen. Ich wollte mal eine neue Location fürs Yoga ausprobieren und bin in Wien im "Shinergy- Zentrum für Körper und Geist" gelandet. Das Shinergy ist eine Art Fitnesszentrum, jedoch mit inhaltlichen Schwerpunkten in den Bereichen Kampfsport/-kunst, Yoga und Pilates. Boxen wurde dort ebenfalls angeboten und ich weiß nicht wie mir geschah - Boxen war nie meine Intention - doch auf einmal befand ich mich in meiner allerersten Boxstunde. Ich wusste sofort: Das ist mein Sport! Es war "Liebe auf den ersten Schlag"! Fortan bin ich in alle Boxstunden dort gegangen und beschäftigte mich von Tag zu Tag immer mehr mit dem Sport, schaute dauernd YouTube™-Videos von bekannten Boxern. Ich konnte einfach nicht genug kriegen von dieser magischen Sportart!

Einmal in meinem Leben will ich mal einen echten Kampf machen!

 

Ich bin ein sehr zielorientierter Mensch. Wenn ich ein Ziel habe, dann wird das meist gleich präzisiert. So habe ich dann eines Tages beschlossen: einmal in meinem Leben will ich mal einen echten Kampf machen! Als ich anfing mein Ziel in die Tat umzusetzen, war mein nächster Schritt, dass ich dann in einen echten Boxclub wechseln musste. Ehrlich gesagt, mir war damals eigentlich gar nicht so klar, was ich mir da vorgenomen hatte mit meinem Projekt "mal einen Kampf zu machen". In dem Boxverein habe ich dann gesehen, dass Boxen ja ein absoluter Männersport ist. Eigentlich eh klar, aber im Shinergy war das Verhältnis Männer zu Frauen im Boxen vielleicht 60:40, was absolut nicht dem Verhältnis eines Boxclubs entspricht.

Im Shinergy waren die meisten auch circa mein Alter, daher erschien es mir auch gar nicht so verrückt, im Alter von 32 Jahren mit Boxen als Wettkampfsport zu starten. Erst im Verein habe ich festgestellt, dass ich unter den Wettkämpfern die einzige Frau bin und aussdem die meisten 10 bis 20 Jahre jünger sind. Abgehalten hat es mich trotzdem nicht von meinem Vorhaben. Dort habe ich dann auch schnell erfahren, wie intensiv dieser Sport hinsichtlich Trainingsumfang und Trainingsintensität ist. Ich begann täglich zu trainieren, irgendwann zweimal am Tag.

Dann begannen die Wettkämpfe. Auf einmal war ich Österreichische Staatsmeisterin im Amateurboxen. Übrigens war ich die erste Frau in Österreich, die diesen Titel erhalten hat. Hintergrund: in Österreich ist Staatsmeister, wer in einer olympischen Disziplin boxt. Alle anderen sind bei Sieg der nationalen Meisterschaften Österreichischer Meister. Da in London 2012 Frauenboxen zum ersten Mal olympisch wurde, sind ein Jahr zuvor schon die olympischen Gewichtsklassen, und zwar 51 kg, 60 kg und 75 kg, verkündet worden. Bei den Staatsmeisterschaften 2011 wurden 51 kg und 75 kg nicht ausgeboxt. Und 60 kg habe ich gewonnen. Somit bin ich die allererste Österreichische Staatsmeisterin und habe tatsächlich Boxgeschichte in Österreich geschrieben:-)

Nach den nationalen Meisterschaften folgten dann internationale Kämpfe. Der Boxsport hat mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt  – ich war mittendrin im Leben eines Hochleistungssportlers mit mehr als 20 Stunden Training die Woche.

Im Dezember 2012 bin ich Profi-Boxerin geworden. Genau 2 Jahre später - im Dezember 2014 bin ich Weltmeisterin der Verbände WIBF (Verband unter dem Regina Halmich 12 Jahre Weltmeisterin war; ebenso wie Leila Ali) und der WBF (Verband von Ann-Sophie Mathis, die größte Knock-outerin aller Zeiten; Holly Holm und Christina Hammer) geworden.

Fotografie: Götz Schrage