Der Leistungssport hat viele Bereiche in meinem Leben verändert. Eine völlig neue Dimension hat er vor allem in Themen wie Ernährung,  Regeneration bzw. Gesundheit gebracht. .

Plötzlich beginnt man das Thema Essen mit ganz anderen Augen zu betrachten.

In meinem alten Leben war mein Kühlschrank sehr übersichtlich,  meist war da nur Milch für den morgendlichen Kaffee,  gekocht habe ich selten. Na, eigentlich konnte ich auch nicht richtig kochen, ausser vielleicht Pasta mit Fertigsoße zubereiten oder so.

Heute hat das Essen eine recht große Bedeutung für mich. Zum einen, weil es die Tage vor dem Kampf gibt, in denen ich abnehmen muss und daher nicht essen kann was ich will. Plötzlich beginnt man das Thema Essen mit ganz anderen Augen zu betrachten. Zum anderen, weil ich so spät mit dem Boxen angefangen habe. Ich möchte noch viele Jahre boxen und so erscheint es mir nur logisch, dass mein Körper nur so lange Höchstleistungen bringen kann, wenn ich ihn hege und pflege. Daher ernähre ich mich sehr gesund.

Seit ich boxe, habe ich verschiedene Ernährungsweisen ausprobiert. Zum jeweiligen Zeitpunkt habe ich immer gedacht, dass dies der beste Weg sei. Lange bin ich der Low Carb Ernährung gefolgt. Hintergrund war, dass meine Sportart ja in Gewichtsklassen stattfindet und ich daher auf das Gewicht achten muss. Low Carb bei mir hieß nicht, dass ich keine Kohlehydrate gegessen habe, sondern dass ich sie nur gegessen habe, wenn ich sie zum Training brauchte. 

 

Eine Low-Carb Ernährung hat seine Daseinsberechtigung im Dschungel der verschiedenen Ernährungsweisen und kurz vor dem Kampf schau ich ebenfalls, dass ich abends eher Gemüse statt Obst esse. Aber Low-Carb führt oft dazu, dass man sich nicht gesund ernährt "sind doch keine Kohlehydrate, kann man also ruhig essen" – die Fokussierung auf die Kohlehydrate verführt oft dazu, sich hinsichtlich Vitalstoffe unzureichend zu ernähren. Irgendwann habe ich mal eine "neue" Ernährungspyramide" gesehen, in der doch glatt die Wurst (sehr weit weg  von der Natur, man weiss nicht was drin ist) unten war, d.h. man sollte viel davon essen und der Apfel (ein Nahrungsmittel wie es die Natur geschaffen hat) oben war, also man solle es nicht so oft essen. Heute  bin ich sehr froh, dass ich diese Welt hinter mich gelassen habe.

Auch wenn ich verschiedene Ernährungsweisen ausprobiert habe- eines war mir jedoch immer wichtig: eine Ernährung, die so natürlich wie möglich ist. 

Fotografie: Wikimedia

Fotografie: Wikimedia

Anfang 2014 habe ich meine ganze Ernährung komplett umgestellt. Zunächst bin ich im März 2014 auf die Bananen-Insel gezogen. "Auf Banana Island zu sein" ist eine Beschreibung für eine temporäre Ernährungsweise, in der man sich für ein paar Tage oder Woche nur von Bananen und Grünzeug ernährt. Das mag sich jetzt sehr freakig anhören, aber der Hintergrund zu dieser temporären Ernährungsform ist ähnlich wie einige Fastenmethoden: Man möchte dem Körper entlasten und entgiften, in dem man die Ernährung für einen kurzen Zeitraum vereinfacht. Je weniger der Köper zu verdauen hat, desto einfacher ist es. Nicht ein Gericht mit zig Gewürzen, Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen, Aromen etc., sondern sehr einfach essen: rohe, reife Bananen. Bananen enthalten viele gute  Nährstoffe und gemeinsam mit Grünzeug bekommt der Körper alles was er braucht. Eine Woche habe ich dies gemacht und ich hätte nicht gedacht, dass man so viel aus Bananen und Grünzeug zaubern kann.

Möchte man meiner Ernährung ein Label verpassen, so würden Bezeichnungen wie Rohkost, High Carb Low Fat, 801010 oder Fruitarismus ungefähr passen. Aber eben nur ungefähr, denn meine Ernährung passt in keine Schublade.

Das war der Beginn einer neuen Ära. Lange war ich von Dr. Graham „801010“ beeinflusst, eine High Carb Low Fat Ernährung, die hauptsächlich auf frischem Obst und Grünzeug basiert. Wusstet Ihr, dass Tomaten, Gurken Zucchini, Paprika, Kürbisse, Auberginen, Nüsse und Samen auch zur Kategorie Obst gehören? Oder dass Mahatma Gandhi 5 Jahre Frutarier war? Auch Steve Jobs  hat mal eine Weile nur Äpfel gegessen, daher auch der Name "Apple".

Möchte man meiner Ernährung ein Label verpassen, so würden Bezeichnungen wie Rohkost, High Carb Low Fat, 801010 oder Fruitarismus ungefähr passen. Aber eben nur ungefähr, denn meine Ernährung passt in keine Schublade. Ich ernähre mich hauptsächlich von Obst (roh, aber auch Trockenobst oder Fruchtsäfte) sowie ferner rohem Getreide, aber an kalten Tagen esse ich abends ab und zu auch mal eine warme Mahlzeit. Meine Ernährung ist eine High Carb Low Fat orientierte Ernährungsweise, aber ich liebe auch rohköstliche Torten, die leider of viel Fett (Nüsse) enthalten. 

An einem normalen Tag esse ich in der Regel den ganzen Tag Obst oder auch mal rohes Getreide und am Abend esse ich meist einen Salat oder Zucchini-Nudeln (wobei Zucchini auch zur Kategorie Obst gehören). Wenn ich mit Freunden in ein Restaurant gehe, dann bestelle ich aber etwas ganz Normales von der Karte, denn zum einen gibt es dort meist nichts, was ich normalerweise esse und zum anderen möchte ich ab und zu auch mal etwas anderes essen.

Ursprünglich habe ich die Ernährung begonnen, um mich gesund und vitalstoffreich zu ernähren. Ich hatte zu Beginn Bedenken, ob ich zunehmen werde (von einer Low Carb Ernährung kommend), habe es aber der Gesundheit zuliebe in Kauf genommen. Das Resultat war jedoch, dass ich wider Erwarten mein Gewicht nie einfacher halten konnte! Weitere tolle Aspekte ist das Energie-Level,  dass ich verspüre sowie die geistige Klarkeit. Als ich noch auf der Low Carb Schiene unterwegs war, hatte ich auch oft Gelüste. Alles, was Kohlehydrate hatte, hat mich aus jeder Ecke angelacht. Mit meiner jetzigen Ernährungsform habe ich dies nicht mehr. 

Viele finden meine Ernährungsform recht asketisch, aber ein Asket bin ich nicht.

Viele finden meine Ernährungsform recht asketisch, aber ein Asket bin ich nicht. Ich bin in meiner Ernährungsform einfach so angekommen, dass ich es sofort vermisse, wenn ich mal etwas anderes esse. Wenn ich mal Lust auf etwas Ungesundes habe, dann esse ich dies auch. Ich möchte nicht in eine Situation kommen wie z.B. man ist auf einer Feier, alle essen ein Stück Sahnetorte und ich schaue zu, obwohl ich auch mal probieren will. Meiner Meinung nach fängt da das Übel an- wenn man sich Dinge verbietet zu essen, wenn die sogenannten "Cravings" losgehen, und das Thema Essen von einer Nebensache zur Hauptsache wird. Ich würde dann das Stück Torte essen, würde finden, das rohköstliche Torten viel besser schmecken, am nächsten Tag aufwachen und merken, dass ich mich nicht so frisch und energiegeladen fühle als sonst und mein rohes Obst und Gemüse wieder vermissen. 

In meinem Blog findest Du einige Beiträge zu meiner Ernährungsform. Meine Ernährung entwickelt sich auch stets weiter, da ich immer wieder neue Erkenntnisse gewinne und mittels meinem Blog kannst Du dies mitverfolgen. Nach meinem Wechsel Richtung Obst / Rohkost habe ich beispielsweise eine ganze Weile komplett auf Nahrungsergänzungsmittel verzichtet und mich fast nur von Obst und Gemüse ernährt. Nun ergänze ich meine Ernährung gezielt wieder mit z.B. pflanzlichem Eiweiss, aber auch hier gibt es viele Anbieter, die sich auf Rohkost spezialisiert haben. 

Nicht nur meine Ernährung ist so ursprünglich wie möglich. Auch in anderen Lebensbereichen versuche ich so natürlich wie möglich zu leben. So laufe ich oft barfuss oder in Barfuss-Schuhen oder schaue bei Kosmetik-Produkten, was sich im Tiegel befindet. Durch meinen Sport hat das Thema Gesundheit einen ganz anderen Stellenwert in meinem Leben bekommen und dafür bin ich dem Sport sehr dankbar.

(Fotografie: Johanna Bonhage)

(Fotografie: Johanna Bonhage)




Anmerkung: Schon oft habe ich mich mit Leuten zu dem Thema Ernährung unterhalten. Die Erfahrung, die ich dabei gemacht habe ist, dass Ernährung ein sehr persönlicher Weg ist. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Wenn ich über meine Ernährung spreche, so ist dies auch nur eine Beschreibung meines persönlichen Weges und meiner Erfahrung. Ich möchte niemanden zu etwas überreden und ich halte mich auch allgmein von Diskussionen zum Thema Ernährung fern, weil dieses Thema leider oft sehr emotional diskutiert wird. Die Studienlage ist oft sehr widersprüchlich und eine absolute Wahrheit kann man in diesem Thema wahrscheinlich nie finden, weil das Themengebiet so komplex ist. Daher probiere ich Dinge aus und schaue wie es mir dabei geht. Vielleicht bin ich jetzt von etwas überzeugt und irgendwann probiere ich etwas Neues und bin davon überzeugter.

Wenn ich auf meiner Homepage über meine Ernährung schreibe, dann ist dies daher lediglich eine Beschreibung meines höchst persönlichen Wegs, von dem ich diesem Moment überzeugt bin. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen und seinen Weg finden.